Produktionsleitung und Werkstätten

Wann kommt ihr zum ersten Mal mit einer Produktion in Berührung?
Produktionsleitung (PL): Bestenfalls ca. sechs Monate vor der Premiere mit dem/der BühnenbildnerIn. Zwei Wochen vor der Bauprobe bespricht man sich konkret, um zu überprüfen, ob die Bühnenbildidee realisierbar ist.
Werkstatt (W): Nach der Bauprobe folgt die Werkstattabgabe. Die Herstellung kann beginnen, nachdem die Konstruktionspläne erstellt und alle Materialien recherchiert und
besorgt wurden.

Wann habt ihr zum letzten Mal mit einer Produktion zu tun?
W: Eigentlich endet die Arbeit erst, wenn die Produktion abgespielt ist, weil es bis zur letzten Vorstellung noch Nachbesserungen geben kann. Aber hauptsächlich übergeben wir das Bühnenbild bei der Technischen Einrichtung ca. zwei Wochen vor der Premiere an die Technik, wo es zum ersten Mal auf der Bühne im Original zusammengebaut wird.

Typische Begriffe oder geflügelte Worte, die ihr verwendet:
W: „Modelle“: 3D-Nachbauten des Bühnenbilds aus Pappe, meistens im Maßstab 1:25
„Bauprobe“: Hier wird der Bühnenbildentwurf in Originalgröße auf der Originalbühne angedeutet und die Machbarkeit überprüft.
„Ich hasse nicht-magnetische Bithalter.“
PL: „Das ist zu teuer.“
„Wir finden schon eine Lösung.“
„Physikalische Gesetze gelten auch am Theater Erlangen.“

Was kann in eurem Bereich schiefgehen?
W: Die Gummimatten für Der Untertan auf den Schrägen und Böden wollten partout nicht halten. Es wurden alle Kleber ausprobiert, ein Vertreter einer Firma geholt, aber nichts half. Am Ende musste unter Zeitdruck kurz vor der Premiere noch nachgeholfen und die Matten „festgeschossen“ werden. Und es kann passieren, dass manch eine Idee einer BühnenbildnerIn nicht umgesetzt werden kann. Zum Beispiel sollte bei Der zerbrochne Krug ein echter sieben Meter langer Baum über den Spielenden schweben. Es wurde zwar ein Baum gefunden, mühevoll transportiert und bearbeitet, aber wegen eines hochgiftigen Pilzbefalls musste er dann am Ende entsorgt werden.

Was war eine der letzten herausragenden Inszenierungen für eure Abteilung?
Der Thespiskarren von Arturo Ui, weil hier alle Abteilungen in der Werkstatt beteiligt waren:

Illusionsmalerei, ein genähter Wolkenvorhang und eine eigens konstruierte und gebaute Vorhangtechnik. Dann die Holztrichter für #Meinungsmacher, die sehr groß, dünn, leicht, aber auch stabil sein sollten. Konstruktionstechnisch war der Wagen aus Biedermann und die Brandstifter eine große Herausforderung. Er sollte eine große Spannweite haben, drehbar und rollbar sein und weiter über dem Bühnenrand schweben. Und das riesige runde, mehrstöckige Auditorium aus Holz für Nathan der Weise, denn hier wurden sehr viele Einzelteile maßangefertigt, und erst auf der Bühne konnte beim Zusammenbau überprüft werden, ob auch alles zusammenpasst. Aber dank der guten Konstruktionsvorarbeit hat natürlich alles geklappt.

Gibt es Aufgaben, die ihr gerne an die Heinzelmännchen abtreten würdet?
W: Flächen schwarz streichen
PL: Coronasaalpläne zeichnen

Und welche Aufgaben würdet ihr euch auf keinen Fall nehmen lassen?
W: Große Prospekte malen per Hand (große Hänger, 9–11 m breit, mindestens 5–8 m hoch), Schlosserarbeiten, Leichtbauteile aus Wabenpappe, Anleiten von PraktikantInnen
PL: Materialrecherche und die Kommunikation mit den BühnenbildnerInnen und den technischen Gewerken

Welche Frage würdet ihr euch selbst gern noch stellen und beantworten?
Warum baut ihr alles so kompliziert und umständlich– so kleinteilig?
Leider muss jedes Bühnenbild in Einzelteile zerlegbar sein, weil wir keine Seiten- oder Hinterbühne haben, wo sonst die Bühnenbilder lagern könnten. Sie müssen immer mit dem LKW in den Fundus gebracht werden. Also müssen wir die Größe des LKWs, der Transportwege (90-Grad-Ecke) und auch die Maße der einzigen großen Tür, die auf die Bühne führt, bedenken. Außerdem dürfen die Teile nicht zu schwer sein.

Wie viele Dienstjahre am Theater Erlangen zählt eure Abteilung insgesamt?
111 Jahre

Wie viele Dienstjahre am Theater zählt eure Abteilung insgesamt?
131 Jahre

Fotos: Lisa Giesinger, Magdalena Naporra